06.02.2017 Anfrage Schließung Bahnhaltepunkt Marienthal

Steven Wink, MdL
Steven Wink, MdL

Sehr geehrter Herr Wink, MdL.,

 

wir wenden uns hiermit, wegen der geplanten Schließung des Bahnhaltepunktes Marienthal im Kreis Altenkirchen, an Dich und die FDP-Landtagsfraktion.

Der Vorgang betrifft gleich mehrfach Deine Aufgabengebiete:

  • Tourismus
  • Schienenpersonennahverkehr und ÖPNV
  • Investitionsförderung, Förderung der Vermarktung und ländlicher
  • Entwicklungsmaßnahmen
  • Wirtschaftspolitik
  • Wirtschaftsförderung

Nach Anhörung örtlicher Verbände (Westerwald Touristik-Service), örtlicher Arbeitgeber in Marienthal und Umgebung, der Sichtung regionaler Berichterstattung, Sichtung der Protokolle des Ausschusses für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur im Kreis Altenkirchen, sind wir nach eingehenden Beratungen mit weiteren liberalen Kräften aus dem angrenzenden Nordrhein-Westfalen geneigt, uns für den Erhalt des Bahnhaltepunktes in Marienthal auszusprechen.

Hintergrund / Pro und Contra

 

Argumente für die Schließung des Bahnhaltepunktes Marienthal

 

Seitens des Zwecksverbandes Schienenpersonennahverkehr (SPNV) Rheinland-Pfalz Nord wird vorgeschlagen den Bahnhaltepunkt Marienthal zur Änderung des Winterfahrplanes im Dezember 2018 zu schließen. (s. Anlage)

Ziel ist es, durch die Schließung eine Zeitersparnis zu erhalten, um somit eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 90 Km/h zu erreichen. Dies soll die vollumfängliche Umsetzung des Fahrplanes, der im Rahmen des Rheinland-Pfalz-Taktes 2015 konzipiert wurde, sichern. (s. Anlage)

Weiter fehlt dem Bahnhaltepunkt die erforderliche barrierefreie Zuwegung, sowie eine ordentliche Beleuchtung. Hier werden erhebliche Kosten befürchtet. (s. Anlage)

Des Weiteren schätzt man den Bedarf des Bahnhaltepunktes als gering ein.

 Um die touristischen Nutzung durch Wanderer des WesterwaldSteigs aufrecht erhalten zu können, soll der etwa 3,5 Km entfernte Bahnhaltepunkt Obererbach genutzt werden und eine Beschilderung zum Fernwanderweg erstellt werden.

Seitens der Befürworter für den Erhalt des Bahnhaltepunktes sehen die Argumente wie folgt aus:

Der Ort und das Kloster Marienthal ist ein Pilger- und Wallfahrtsort, der wegen seiner religiösen Bedeutung Gegenstand der Identität und des kulturellen-gesellschaftlichen Empfindens der Bevölkerung ist. Eine Abkopplung von der Schiene würde dem Erhalt des Ortes entgegenstehen und damit die Seele der religiösen und kulturellen Bedürfnisse von Bürger und Gläubigen treffen.

Nach dem das Kloster Marienthal durch die Franziskaner im Jahr 2015 endgültig aufgegeben wurde, konnte von der besorgten Kommunalpolitik dann für den Erhalt des Klosters und damit des Ortes eine betriebswirtschaftliche Lösung gefunden werden. Die Ansiedlung eines Investors im Klostergebäude, ein gastronomischer Betrieb der heute den Namen “Klostergastronomie“ trägt, wurde unter anderem mit dem Argument des Bahnhaltepunktes und der damit verbundenen Touristik des WesterwaldSteiges geworben.

Durch die Ansiedlung der Gastronomie wurde der Erhalt des Klosters in seiner Funktion als Kulturstätte und Bauwerk gesichert. Die Aufgabe des Klosters durch die Franziskaner erfolgte wegen anstehenden erheblichen Investitionen in den Brandschutz. Diese werden nun aus der Pacht des Gastronomiebetriebes in das Gebäude reinvestiert, sodass auch nach Ablauf des 10-Jahresvertrages mit dem heutigen Pächter das Kloster zu einer weiteren Verwendung bereitstehen kann.

Mit der Übernahme des Kloster und dessen Umgestaltung zu einem mittelständigen Gastronomiebetriebes mit 14 Angestellten, erfährt der Ort einen nichtmehr zu erwartenden Aufschwung. So siedelten sich seit der Eröffnung der „Klostergastronomie“ weitere gastronomische Betriebe mit Übernachtungsmöglichkeiten an.

Das Beispiel zeigt, dass unter dem Zusammenwirken von Wirtschaft, Infrastruktur, Kultur und Touristik bereits dem Niedergang zugerechnete Orte im ländlichen Raum eine Perspektive gegeben werden kann.

Der Erhalt des Bahnhaltepunktes Marienthal ist für die Örtlichkeiten, im Besonderen für Wirtschaft, Kultur und Touristik eine substanzielle wichtige Säule für das Gesamtkonzept der Region. Durch die Schließung des Haltepunktes werden dabei die zum Teil hohen privatwirtschaftlichen Investitionen in Frage gestellt bzw. konterkariert. Aus wirtschaftlicher Perspektive ist der Erhalt des Bahnhaltepunktes somit auch Investorenschutz.

Die Befürworter einer Schließung bemängeln u.a. die mangelnde Anzahl der Fahrgäste. Dabei beruft man sich auf einer Erhebung aus Zeiten vor der Rekultivierung des Ortes durch die heute ansässigen Gastronomiebetriebe.

Tatsächlich kann man einen deutlichen Aufschwung durch die Aktivitäten vor Ort feststellen. So sagte die Rheinzeitung zu, Marienthal in den Jahren 2017 und 2018 im Rahmen ihres jährlichen Wandertages zu berücksichtigen. Auch nimmt der Ort mit seinen Einrichtungen ergänzend am Siegtalfestival und den Westerwälder Literaturtagen teil.

Der Ort Marienthal ist zudem ein Etappenziel des WesterwaldSteiges. Dieser gilt als einer der bekanntesten Wanderwege in Rheinland-Pfalz mit bundesweiter Anerkennung und ist elementarer Bestandteil des touristischen Angebotes unseres Bundeslandes und der Region.

Der Westerwald Touristik-Service e.V. verweist in seinem Schreiben (s. Anlage) auf den besonders hohen Stellenwert des Bahnhofes Marienthal als Etappenstart- und –Endpunkt für den Fernwanderweg WesterwaldSteig hin. Es wird seitens des Vereines auch darauf hingewiesen, dass der Bedarf an Wandertouren mit Bahnanbindungen sehr hoch ist.

Nachrichtlich weisen wir darauf hin, dass Marienthal der einzige Bahnhaltepunkt in der Region ist, der direkt in unmittelbarer Nähe zum WesterwaldSteig liegt. Der Haltepunkt „Kloster Marienthal“ zählt zu den drei Bahnstellen, welche bundesweit den Namen „Kloster“ im Namen tragen dürfen.

Es kann davon ausgegangen werden, dass mit dem Wegfall des Haltepunktes Marienthal auch die Attraktivität des WesterwaldSteiges für überregionale Gäste in seiner Ganzheit sinkt und die Besucherzahlen des gesamten Fernwanderweges in Summe abschmelzen könnten.

Eine, wie vorgeschlagen, fußläufige Verbindung für Wanderer des WesterwaldSteiges und dem Ausweichbahnhof Obererbach erstellen zu wollen ist abzulehnen, da dies 45 Minuten in anspruchsvollem Gelände nur für geübte Wanderer möglich ist und damit als völlig unattraktiv gilt.

Weiter schreibt der Westerwald Touristik-Service, dass bei der Bewerbung für den WesterwaldSteig der Bahnhaltepunkt Marienthal als Werbemittel für den Fernwanderweg eine besondere Bedeutung hat.

Das unsere öffentlichen Vereine, die im Landesinteresse für unsere Regionen und für das Land RLP mit solchen örtlichen Besonderheiten werben können, sollte in unser aller Interesse sein. Dies schützt die öffentliche Hand auch selbst davor, entsprechende Mittel für die Eigenwerbung unseres Landes finanzieren zu müssen.

Als Entgegenhaltung für den Willen die Strecke beschleunigen zu wollen, halten die Gegner der Schließung den marginalen Aufwand des Ab-, Halte- und Beschleunigungsvorganges der Bahn im Ort entgegen.

Nach tatsächlichen eigenen Messungen vor Ort dauert dieser Vorgang in Marienthal weniger als 1,5 Minuten. Der Aufwand des Haltens in Marienthal sei damit sicher zu vertreten und konterkariert damit die Bestrestebungen des Rheinland-Pfalz-Taktes nach einer schnellen Bahnverbindung nicht oder nur unwesentlich.

Der Rheinland-Pfalz-Takt hingegen, soll der Verbesserung des Personennahverkehrs dienen. Gleichzeitig ist es unser aller Bestreben die Lebensverhältnisse in allen Regionen des Landes gleichwertig stabil zu gestalten. Dies gilt vor allen für den gefährdeten ländlichen Raum. Dies damit zu erreichen wollen, dass man die Bürger am Bahnsteig stehen und die Züge vorbeiziehen lässt, ist als Konterproduktiv einzustufen.

Tatsächlich muss der Bahnhaltepunkt Marienthal wegen seinem Mangel an Barrierefreiheit und Beleuchtung saniert werden. Doch anstatt der üblichen Schließung, die jede Form einer nachhaltigen Entwicklung ausschließt, sollten die aufflammenden Chancen für Ort und Region genutzt und in den Raum investiert werden.

Hierfür müssten vorhandene Fördermöglichkeiten des Landes und des Bundes geprüft werden. Auch könnte im Interesse der Region geprüft werden, ob eine Mischfinanzierung bei der Sanierung des Bahnhaltepunktes aus Sicht des Landes, des Kreises und der beteiligten Kommunen möglich wäre.

Für einen Besuch des Ortes Marienthal laden wir Dich hiermit im Rahmen einer Bezirksbereisung herzlich ein.

Für das weitere Fortkommen in der Angelegenheit bitten wir Dich und die FDP-Landtagsfraktion um die Beantwortung folgender Fragen:

  1. Wir bitten um eine Einschätzung und Stellungnahme, um die Sachlage am Bahnhaltepunkt Marienthal durch Dich und die FDP-Landtagsfraktion.
  2. Der Rheinland-Pfalz-Takt 2015 spricht sich in seinem neuen Konzept „MEHR ANGEBOT, MEHR QUALITÄT, MEHR SERVICE“ für Investitionen in die Infrastruktur aus und stellt hierfür 60 Millionen Euro zur Verfügung. Im Besonderen soll dabei in die Modernisierung von Haltepunkte und Bahnhöfe, für mehr Komfort und Barrierefreiheit, investiert werden. 
    Frage: Bestünde, bei positiver Beschlusslage für den Erhalt des Bahnhaltepunktes Marienthal, die Möglichkeit der Förderung durch das Land?
  3. Mit dem Zukunftsinvestitionsprogramm 2016 – 2018 stellt die Bundesregierung zusätzliche Mittel für den Bau und die Modernisierung öffentlicher Einrichtungen zur Verfügung. Mit dabei sind auch ländliche Bahnhöfe. Und zwar hauptsächlich die Haltepunkte, die von weniger als 1 000 Ein- und Aussteigern am Tag genutzt werden. Um auch außerhalb der Ballungsräume allen Fahrgästen bestmögliche Mobilität zu gewährleisten. Im Fokus der Umbaumaßnahmen steht, laut des Investitionsprogrammes, die Barrierefreiheit an Einstiegspunkten und in Gebäuden.
    Frage: Erfüllt der Bahnhaltepunkt Marienthal die Kriterien des Bundes für eine Berücksichtigung durch das Zukunftsinvestitionsprogramm 2016-2018.

  4. Hast Du im Rahmen Deiner Tätigkeit als MdL kurzfristig Zeit den Ort Marienthal im Rahmen einer Bezirksbereisung mit dem Schwerpunkt auf die Kreise Altenkirchen und Neuwied zu besuchen?

Mit freundlichen Grüßen

Alexander Buda

Vorsitzender

Stellungnahme Westerwald Touristik-Service
Stellungnahme geplante Schließung Bahnho
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Die Fragen werden am 04.03.2017 bei einem Besuch des FDP-Bezirksverbandes im Wirtschaftsministerium mit Staatssekretär Andy Becht diskutiert.