FDP gibt Nachhilfe für das Retten einer Zwergschule - Bildung - Zu Besuch in Reifferscheid: Helga Lerch gibt Eltern Tipps

Reifferscheid. Schöne Ferien, Frau Weiler. Ein Wunsch, in geschwungenen Buchstaben auf die Tafel geschrieben, darunter die Namen der Grundschulkinder von Reifferscheid. Ein Abschiedsgruß an ihre Lehrerin. Doch neun von 21 Kinder werden ihre alte Schule nicht wiedersehen. Denn sie wechseln im neuen Schuljahr auf die Grundschule in Antweiler. Zurück bleiben 12 Schüler und ihre Eltern, die verzweifelt darum kämpfen, dass ihre Schule im Dorf bleibt. Auf fast verlorenem Posten, denn weil fast die Hälfte der Schüler nun abwandert, stehen die Chancen schlecht.

Als Verbündete bei der Rettung der Zwergschule bietet sich ungeachtet der Regierungskoalition im Land nun die FDP im Kreis Ahrweiler an und hat sich mit der Landtagsabgeordneten Helga Lerch aus Mainz-Bingen eine streitbare Bildungspolitikerin an die Seite geholt, die in Reifferscheid den Eltern und dem anwesenden Verbandsgemeindebürgermeister Guido Nisius sozusagen „Nachhilfeunterricht“ für Strategien zum Erhalt des Schulstandorts gab. Damit reagieren die Liberalen auch auf einen Hilferuf aus der Elternschaft samt Einladung in die Schule bei der KAB-Podiumsdiskussion im Juni 2017.

Die Grundschule in Reifferscheid, die von Antweiler aus geleitet wird, gehört zu den 41 kleinen Grundschulen in Rheinland-Pfalz, die auf dem Prüfstand stehen. Das Schulgesetz, das Klassenmesszahlen vorgibt, ermöglicht aber auch Ausnahmen. Argumente für die Ausnahme zu finden, dazu spornte Helga Lerch, selbst einmal Schulleiterin, die Eltern an. Angereist in die Eifel waren auch Ulrike Weiß, FDP-Vorsitzende der VG Adenau, der Kreisvorsitzende Ulrich van Bebber und Bundestagskandidatin Christina Steinhausen. „Wir wären schon früher gekommen, doch uns wurde zuerst kommuniziert, dass die Eltern kein Interesse hätten“, so Steinhausen. Auch der unabhängige Landtagskandidat für die Bundestagswahlen, Siegfried Verdonk, hatte sich zu dem Krisentreffen in den Sommerferien eingefunden. Er kommt aus Winnerath, eines der drei Dörfer, aus denen Kinder in Reifferscheid unterrichtet werden.

„Seit 1668 gibt es in Reifferscheid durchgehend eine Schule“, meinte die engagierte Mutter einer Schülerin, Elisabeth Schäfer, die zusammen mit Mitstreiterin Tanja May-Fomrath und anderen Eltern zum Rundgang durch eine Schule einlud, deren Klassenzimmer einen herrlichen Panoramablick auf die Eifel bieten. Am Zustand der Gebäude ist nichts auszusetzen. Und vor dem barrierefreien Haus in Nachbarschaft zur Kindertagesstätte gibt es einen großen Schulhof. Auch mit einer eigenen Bücherei wartet die Grundschule auf. Doch dass künftig in einem Klassenraum Schüler von der ersten bis zur vierten Klasse gemeinsam unterrichtet werden, hat einige Eltern dazu bewogen, ihre Kinder lieber nach Antweiler zu schicken. Vor allem für die Kinder, die aus Rodder kommen, hat sich das von der Entfernung her angeboten. Eltern aus Reifferscheid kritisieren allerdings, dass die ADD nicht ausreichend darüber informiert habe, wie das gemeinsame Unterrichten von vier Jahrgangsstufen in der Praxis funktioniert. Das habe Unsicherheit erzeugt. In der Folge nutzten viele die Möglichkeit zum unkomplizierten Wechsel. Damit fehlt Reifferscheid aus Sicht von Lerch, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Landes-FDP, ein wichtiges Überzeugungsmittel: das gemeinsame Einstehen für den Standort.

Verbandsgemeindebürgermeister Nisius berichtete, dass im Laufe des Monats August die Ergebnisse des Gutachtens vorgestellt werden, das die VG in Auftrag gegeben hat, um die Situation der Schulstandorte Reifferscheid und Wershofen von einem renommierten Fachbüro für ein Überlebenskonzept betrachten zu lassen. „Dass Kinder nach Antweiler gegangen sind, erleichtert die Sache nicht“, sagte er.

Auf der Suche nach Punkten, die Reifferscheid für Gehör in Mainz in die Waagschale werfen könnte, gehört für Lerch nicht nur die Position der Verbandsgemeinde als Schulträger, sondern auch ein pädagogisches Konzept, angereichert mit schlagkräftigen Argumenten wie der gute bauliche Zustand der Schule, eine Kita in der Nachbarschaft, der schöne Schulhof mit Anlagen zum Lernen und Arbeiten in der Natur, Projektwochen, die Partnerschaft mit einer Schule in Ruanda, die Übermittags-, Hausaufgaben- und Nachmittagsbetreuung und nicht zuletzt das enorme Engagement der Eltern.

Aus Rheinzeitung vom 2. 8. 2017